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„Es hat in den Köpfen ein Umdenken stattgefunden.“ Interview mit Biohost

„Es hat in den Köpfen ein Umdenken stattgefunden.“


Lars-Helge Wilbrandt ist Gründer der Firma BIOHOST und Pionier des nachhaltigen Webhostings. Seit 2006 versorgt er seine Kunden mit nachhaltigem Webhosting und seit 2011 aus einem eigenen Rechenzent

rum. Durch echten Ökostrom und mit aufbereiteten Servern verringert BIOHOST erheblich den Materialverbrauch an kostbaren Rohstoffen und setzt sich mit einem nachhaltigen Büroalltag für den Klima- und Umweltschutz ein.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Pionier eine ökologische Hosting Firma zu gründen?

„Ich habe damals Informatik studiert. Und in dieser Zeit ist mir aufgefallen, dass viele andere Bereiche bereits Nachhaltigkeitsansätze hatten, nur der IT-Bereich noch nicht.“


Hatten Sie denn einen Schwerpunkt in Ihrem Studium gewählt, weshalb Sie das Thema so interessierte?

„Nein, ich hatte keinen Schwerpunkt im Studium. Aber ich habe neben dem Studium schon Hosting für einige Kunden angeboten, es gab aber kein Rechenzentrum, das mit Ökostrom betrieben wurde. Ich habe dann einen Rechenzentrumsbetreiber gefunden, der bereit war Ökostrom ins Programm aufzunehmen. 2011 habe ich dann ein eigenes Rechenzentrum eröffnet, um noch mehr im Bereich Nachhaltigkeit umsetzen zu können.“


Nehmen Sie uns mit auf Ihren Weg: Ihre Firma war nach der Gründung nicht plötzlich bekannt- was passierte in den letzten Jahren?

„Ja, das stimmt. Am Anfang war ich einige Jahre als Aussteller auf der Biofach und habe insbesondere Firmen aus der Biobranche angesprochen. Dadurch habe ich sehr schnell die Verbände Demeter und Bioland als Kunden gewonnen. Insgesamt war der Kundenzuwachs bei BIOHOST aber lange nicht besonders groß.“


Bemerken Sie durch den „Öko-Trend“ eine Veränderung in Ihrer Branche? Nachahmer zum Beispiel, die auch ein Stück vom „Kuchen“ wollen?

„Naja, der Öko-Kuchen war ja anfangs nicht besonders groß. Mit der Cebit 2008 kam dann das Thema GreenIT ins öffentliche Bewusstsein und danach haben viele Webhostinganbieter begonnen, mit Ökostrom zu werben. Das habe ich im Kundenzuwachs schon deutlich gemerkt. Ab Fridays for Future wurde dann das ganze Thema auf Ernsthaftigkeit hinterfragt und die Nachfrage bei BIOHOST steigerte sich von Monat zu Monat. Da es aber bisher wenige Anbieter gibt, die Webhosting in dieser Konsequenz nach Nachhaltigkeitskriterien betreiben, haben wir noch wenig direkte Konkurrenz. Der Hostingmarkt ist aber natürlich ein hart umkämpfter Markt, mit vielen Anbietern und niedrigen Margen.“


Sie leben die Nachhaltigkeit auf ganzer Linie- auch in Ihrem Büroalltag. Welche Schwierigkeiten ergeben sich dabei?

„Das ist gar nicht so schwer, weil unser Büro klein ist. Man muss eigentlich nur seinen eigenen Konsum überdenken. Wir haben das Papier komplett verbannt, ich komme immer mit dem Rad zur Arbeit und wir nehmen Leasing-Rückläufer als Server. Das ist vielleicht eine Besonderheit. Aber das setzt sich auch professionell durch. Zum Beispiel in den USA, da gibt es bereits Firmen, die von Facebook, Microsoft usw. Server aufkaufen, aufbereiten und wiederverkaufen. Auch in Deutschland haben wir dafür bereits gute Partner gefunden, da entwickelt sich ein Markt. 

Als kleines Unternehmen ist man flexibler und kann schneller Mal etwas ausprobieren. Deshalb werden solche Veränderungen am Anfang von kleineren Unternehmen angestoßen und die großen Firmen ziehen dann nach. In fünf bis zehn Jahren wird es kein Unternehmen mehr geben, das keine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt. Wer das jetzt nicht angeht, wird keine Überlebenschance haben. 

Ob wir jetzt schon in allen Bereichen nachhaltig sind oder nachhaltig sein können, wird man sicher erst in ein paar Jahren sehen. Aber solange das Umdenken im Kopf nicht stattfindet, macht man sich auch nicht auf den Weg. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich viele Menschen auf den Weg machen, ein nachhaltiges Leben zu führen.“


Was würden Sie Firmen raten, die Ihren Büroalltag ebenfalls nachhaltiger gestalten wollen? 

„Man sollte sich Lieferanten suchen, die schon nachhaltig arbeiten. Für Büros gibt es schon viele gute Lösungen. Große Firmen sind sowieso schon sehr digital. Papier ist ein Thema, da sind große oft weiter als kleine Firmen. Auch Mitarbeiterkommunikation hat Potential, da kann man viel bewegen. Fahrrad statt Firmenwagen zum Beispiel, oder öffentlichen Nahverkehr bei Mitarbeitern fördern. Im Rechenzentrum geht es dann auch um Facility Management. Da gibt es Abwärmenutzung und die Kühlung der Serverräume. Und natürlich generell welche Baustoffe man verwendet. Ein gutes Beispiel ist Alnatura, die haben die Wände aus Stampflehm gebaut. Zement ist übrigens für ca. 8% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, da ist Stampflehm viel nachhaltiger und wiederverwendbar. Wir werden sicher noch in vielen Bereichen bessere Lösungen finden.


Wo sehen Sie Ihre Firma in 5 Jahren in Bezug auf den „Nachhaltigkeits-Trend“?

„Das ist schwer zu sagen und ist auch von unseren Kunden abhängig. Ich hoffe, dass es nicht nur ein Trend ist, sondern eine nachhaltige Entwicklung. Ich kann schon mal sagen, dass der Standort Gießen dieses Jahr noch schließt und wir nach Schleswig-Holstein umziehen, um dort ein neues und noch nachhaltigeres Rechenzentrum zu bauen.

Die großen Unternehmen und Konzerne arbeiten aber sicher auch alle am Thema, die werden das in den nächsten Jahren extrem schnell umsetzen. Das macht es sicher nicht einfacher in diesem Marktumfeld zu bestehen, ich bin aber zuversichtlich, dass wir mit BIOHOST weiterhin im Bereich Nachhaltigkeit Maßstäbe setzen können. Zumindest werden wir das versuchen.“